Oberster Rat für Deutschland

114. Freimaurerische Akademie 2018 in Lübeck

Posted by: ORD06.04.2018

Generalthema: Europa – Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Zu dieser Veranstaltung sind auch Brüder Meister eingeladen, die nicht dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus angehören.

Grußwort des Akademiepräsidenten

Verehrte Schwestern, liebe Brüder,

die Wurzeln Europas entstehen in der Bronzezeit mit der Ausbildung der ersten Hochkulturen und der nachfolgenden Reiche in Mesopotamien, Ägypten und auf Kreta. Die ägyptische Hochkultur beginnt, wie die Kykladenkultur, bereits im Neolithikum. Die minoische Kultur im Mittelmeerraum wird von der mykenischen abgelöst, die Zeit, in der die Ilias, das große europäische Epos, entsteht. In die Eisenzeit fallen die Entstehung des Judentums und der griechischen Kultur, um Welten erweitert im Hellenismus. Parallel hierzu entwickelt sich Rom, welches all diese kulturellen Einflüsse bis zum Beginn des Mittelalters aufnimmt und durch die Zeiten transportiert.

Mit dem Zerfall des weströmischen Reiches entsteht das eigentliche politische Europa, gebildet von germanischen Stämmen, von denen sich die Franken als dauerhafte Herrscher etablieren können. Ihre zentrale Figur ist Karl der Große oder Charlemagne. Gallorömische, und im Zentrum Europas, keltische Einflüsse bleiben bestehen.

Die Araber bringen eigene und transportieren wichtige Elemente der griechischen Kultur in den europäischen Raum. Ostrom bzw. Byzanz überdauert als zweites Rom bis zur Eroberung durch die Türken 1453. Danach wird Moskau zum dritten Rom und damit auch die russische Geschichte stark europäisiert.

Renaissance, Humanismus, Reformation, Aufklärung, Neuzeit und Moderne folgen im europäischen Raum der Nationalstaaten bzw. des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nationen. Abendländisch-westliche Werte werden mit der europäischen Kolonialisierung weit in die Welt, vor allem nach Nordamerika, getragen.

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt sich erstmals das Gebilde, das wir heute Europa nennen. Seine größte Errungenschaft, die langsam in Vergessenheit gerät, ist ein bislang dauerhafter Friede. Der seit Napoleon I. bestehende unversöhnliche Hass zwischen Deutschland und Frankreich endet in einer Versöhnung, die ein weltgeschichtliches Beispiel darstellt. Fast ist hiermit wieder das Reich des großen Europäers Karls des Großen wieder hergestellt. Der Euro hat Europa weiter verschmolzen und erweitert.

Nachdem die europäischen Visionäre in jüngster Zeit damit begonnen hatten, über Wege zur Entstehung der Vereinigten Staaten von Europa nachzudenken, kommt es trotz oder vielleicht wegen der beschleunigten Globalisierung zu zunehmenden Auflösungserscheinungen des europäischen Identitätsgedankens. Zunehmender Nationalismus, der nun auch Deutschland erfasst hat, und der Brexit sind seine Symptome. Wir leben nun in einer instabilen Übergangsperiode des noch nicht vollständig entwickelten Europas, noch vor seiner erfolgreichen Geburt.

Ist diese Periode Europas Götterdämmerung oder eine Chance zu seiner dauerhaften Neugestaltung? Und wie könnte diese aussehen? Hat sich die europäische Idee überlebt und wird sie von der Globalisierung überholt oder ist sie notwendiger denn je? Und wie sollen sich Freimaurer in dieser kritischen Phase verhalten? Können sie an ihrem Prinzip eines Wirkens durch das eigene Vorbild festhalten oder müssen sie politische Verantwortung tragen? All diese Fragen sollen während der 114. Freimaurerischen Akademietagung adressiert und diskutiert werden.

Mit herzlichem Schottengruß
Nicolas Wernert, 33°

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