Oberster Rat für Deutschland

113. Freimaurerische Akademie 2017 in Mannheim

Posted by: ORD15.07.2017

Generalthema: Hochkultur und Gewalt – ein Widerspruch

Zu dieser Veranstaltung sind auch Brüder Meister eingeladen, die nicht dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus angehören.

Grußwort des Akademiepräsidenten

Verehrte Schwestern, liebe Brüder,
versucht man zu definieren, was ein Mensch ist, kommt man rasch zu einer entscheidenden Einsicht: ein einzelner Mensch ist kein Mensch. Wir haben uns von unseren Primatenvorfahren von Anfang an als soziales Netz entwickelt, welches bei Homo sapiens über eine differenzierte Sprache und die Zusammenschaltung multipler Gehirne zu einem Metagehirn höchste kulturelle und wissenschaftlich-technische Leistungen ermöglicht hat. Vom ersten, noch von unseren Homo erectus-Vorfahren entfachten Feuer führen über diesen Prozess der kulturellen Evolution direkte Verbindungen zur ersten Mondlandung. Neben der Kooperation stand aber immer auch die Konkurrenz um Nahrung, Geschlechtspartner und – mit fortschreitender kultureller Evolution – materielle Reichtümer. Die Aggression zur Durchsetzung unserer Interessen hat dabei tiefe Wurzeln, die weit in die biologische Evolution zurückreichen. Homo sapiens ist aber das einzige Tier, welches über abstrakte Gedanken in sprachlichen Begriffen eine differenzierte Philosophie entwickelt hat, zu der auch ethisch-moralische Überlegungen gehören. Dem stehen, verglichen mit allen anderen Tierarten, fast unbegrenzte Möglichkeiten der Aggressionsausübung gegenüber, deren schrecklichste Form die Anwendung physischer Gewalt darstellt. Auch diese Möglichkeiten sind Folge unserer Ratio und kulturellen Evolution. Die schlimmsten Massenmorde und Gräueltaten kennen wir aus unserer jüngeren Geschichte und Gegenwart. Sie kommen bei instinktiv handelnden Tieren nicht vor. Bezieht man moralisch-ethisches Handeln in die Definition von Hochkultur ein, stehen Gewaltakte hierzu im Widerspruch. Setzt man für den Menschen einen freien Willen voraus, haben wir aber die Möglichkeit der Wahl zwischen Aggression oder Empathie, welche ebenfalls zu unserem evolutionären Erbe gehören. Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass die Anwendung von Gewalt im Verlauf unserer kulturellen Evolution stetig abgenommen hat, was uns mit Hoffnung erfüllen kann. Sie ist aber bis heute in grauenhaften Ausmaßen präsent, wie uns Medien Tag für Tag vor Augen führen. Während dieser Tagung sollen die anthropologischen, philosophischen und soziologischen Grundlagen des Widerspruchs zwischen Hochkultur und Gewalt beleuchtet sowie Lösungsmöglichkeiten und Mechanismen zu ihrer weiteren Verminderung erarbeitet werden.
Mit herzlichem Schottengruß
Nicolas Wernert, 33°

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